Leipzig denkt: Alarm und Utopie

Corona-Krise, Klima-Krise, Krise der Demokratie, Krieg in Europa – wir leben in Zeiten gravierender gesellschaftlicher Umbrüche. Das alles wird begleitet von einer Krise unserer gesellschaftlichen Kommunikationsverhältnisse. Was es in diesem Moment braucht, sind Horizonterweiterungen, ist ein Anreichern des Denkens und die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel.

Genau dafür bedarf es geschützter, vom unmittelbaren Handlungszwang und Beschleunigungsdruck befreiter Räume, in denen – gegen die Tendenz zur Abschottung – gemeinsam gedacht und auch ‚visioniert‘ werden kann. – Räume, in denen wir gemeinsam unseren Möglichkeitssinn trainieren und soziale Phantasie freisetzen können.

Das Festival Leipzig denkt: Alarm und Utopie versucht genau diese Räume zu eröffnen, indem es – disziplinenübergreifend zwischen den verschiedenen Künsten, der Philosophie und den Geistes- und Sozialwissenschaften – nicht nur Denk- und Gesprächsimpulse setzt, sondern vor allem konkret kreative Gesprächssettings für die denkende Verständigung in der Öffentlichkeit entwirft. Dazu werden Elemente des Theaters und der Künste in die Universität geholt und umgekehrt sozial- und geisteswissenschaftliche Expertise und philosophisches Denken ins Theater oder auf öffentliche Plätze.

Wegen des interdisziplinären Charakters des Festivals kommen auch die eingeladenen Akteur*innen aus den unterschiedlichsten Disziplinen: aus den Künsten und ihren verschiedenen Sparten – Literatur, Theater, Performance, bildende Kunst, Musik – ebenso wie aus den Geistes- und Sozialwissenschaften (u.a. Hartmut Rosa) sowie der Philosophie (u.a. Rahel Jaeggi, Svenja Flaßpöhler, Wilhelm Schmid) bzw. aus der Philosophischen Praxis. Zum dritten versammelt das Festival Akteur*innen der Künstlerischen Forschung und Performativen Philosophie, die schon seit Jahren genau an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaften und Philosophie forschen und experimentieren und dabei auch innovative künstlerische Denkgesprächsformate entwickeln (u.a. Zentrum für Performance Studies/Theater der Versammlung Bremen).

Träger des Festivals ist der Verein Transformatorenwerk Leipzig e.V. in Kooperation mit dem Verein Expedition Philosophie e.V., der über 10 Jahre hinweg u.a. das Vorgängerfestival [soundcheck philosophie] in Halle und Leipzig organisiert hat und der IGPP – Internationale Gesellschaft für Philosophische Praxis.

Konkret umfasst das Programm u.a.: die Eröffnungsveranstaltung „Alarm und Utopie – Was ist uns jetzt noch möglich?“ – unter anderem mit Svenja Flaßpöhler, Katharina Oguntoye und dem Theater der Versammlung im Paulinum der Universität –, inszenierte Denk-Spiel-Foren zu gesellschaftlich umstrittenen Themen (im LOFFT - DAS THEATER und in der Schaubühne Lindenfels), das Projekt „Streetphilosophy“ (auf dem Kurt-Masur-Platz), Streitgespräche und Salons (u.a. im Literaturhaus Leipzig, im Zeitgeschichtlichen Forum und im Budde-Haus), ein Café der toten Philosophen, Performances und Gesprächsinstallationen, einen Philosophie-Walk durch Leipzig, philosophische und künstlerische Workshops sowie am Abschlussabend die Lange Nacht der Utopien (in der Moritzbastei) mit unterschiedlichen Formaten wie einem Utopie-Slam und einem Utopie-Debating.

Verknüpft mit dem Festival findet am 6. und 7. Oktober ebenfalls erstmals das Projekt "Was wäre, wenn…? – Leipzig philosophiert mit Kindern und Jugendlichen" statt: Schüler*innen aller Altersstufen sind zu kreativen Selbstdenk-Expeditionen an unterschiedliche Orte der Stadt eingeladen – in die Stadtbibliothek, das Haus des Buches, ins LOFFT - DAS THEATER und ins Budde-Haus. Ebenso wird es Workshops für Erwachsene geben, die das Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen erlernen möchten.

In Vorbereitung auf das Festival Leipzig denkt: Alarm und Utopie gab es vom 12. bis 13. November 2021 einen gemeinsamen Workshop von Akteur*innen des Zentrums für Performance Studies/Theater der Versammlung Bremen, des Expedition Philosophie e.V. und des Transformatorenwerk Leipzig e.V. zum Thema „Gemeinsam ins Denken kommen?! - Zur Choreographie von interdisziplinären Gesprächsformaten in der Öffentlichkeit“ Die Arbeits-Paper dieses Workshops sind auf der Website des Transformatorenwerkes Leipzig dokumentiert.

Das Festival wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, vom Sächsischen Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung und von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. Das Projekt "Was wäre wenn ...? - Leipzig philosophiert mit Kindern und Jugendlichen" wird gefördert von der Dachstiftung für individuelles Schenken des GLS Treuhand e. V., der Deutschen Gesellschaft für Philosophie e. V. und ebenfalls von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Kooperationspartner des Festivals sind u. a.: LOFFT DAS THEATER, die Schaubühne Lindenfels, das Literaturhaus Leipzig, das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig, das soziokulturelle Zentrum Budde-Haus Leipzig, die Moritzbastei Leipzig. Darüber hinaus fungieren als weitere Kooperationspartner bzw. Unterstützer des Festivals: die Universität Leipzig (dort insbesondere der Bereich Studium universale/Kinderuniversität und das Institut für Philosophie), der Debattierklub Leipzig, das Referat Wissenspolitik der Stadt Leipzig, der Livelyrix e.V. - zur Liste aller Kooperationspartner.

Fotos: Johanna Baschke, Tom Fichtner, Karsten Wendt